Freitag, Februar 02, 2007

Doris und die Eunuchen

Wenn es etwas gibt, was mich an Magazinen, Zeitschriften und Zeitungen stört, dann sind es diese ewigen Kritiken. Gastro-Kritik, Literatur-Kritik und Musik-Kritik. Es scheint, als müsse zu allem von irgendwelcher Seite noch etwas mehr Senf dazu gegeben werden. Noch bedauernswerter sind all diese Menschen, die jene Kritiken schreiben. Der Autor offenbare sich in seinem oberflächlichen, offenbar autobiographisch gefärbten Roman selbst als Einfaltspinsel, das Album könne man nur auf der Toilette hören – wenn die Spülung läuft. Und die Suppe sei sowieso versalzen. Bla bla.
Kritiker sind wie Eunuchen. Sie wüssten zwar wie’s geht, können’s aber nicht, sagt man. Hmm. Arme Spezies. Weil ich kein Eunuch sein will und ich mir nicht im geringsten anmasse, die Werke anderer zu missbilligen, hier der erste Teil meiner Serie ausschliesslich positiver Musikkritiken:

Scheiss auf Doris

Stell dir vor, dein Name ist José. Gross, schlank, dunkles Haar. Du fährst mit einem roten 54er Cadillac Eldorado Convertible am Strandboulevard von Acapulco entlang. Das Hemd weit offen, die Sonnenbrille tief, das Haar nach hinten geschleimt. Esmeralda hat dich gerade verlassen. Scheiss drauf. Die Sonne scheint, und du bist sowieso der Steilste von allen. Lädst halt die Margarita, Maria oder die Mariquita zu dir auf die Sonnenterasse ein. Nein, gleich alle drei zusammen. La Vida loca! Aiiiiiii!
Leider ist dein Name aber Bruno oder Reto. Du hockst in irgendeiner 2,5-Zimmer-Wohnung in Zürich’s Agglo. Und verlassen wurdest du soeben von deiner Doris, die mit dem Rolf durchgebrannt ist, die Schlampe. Und weil in Spreitenbach "Margarita" ein schlecht gemixter Nuttendiesel im Nelson Pub ist, und eben nicht eine andere heisse Braut, bist du jetzt ganz allein. Und mit dem Damenvelo an Killwangens Zugsdepot vorbei zu radeln hat nicht ein Zehntel so viel Charme, wie die Strandpromenade in Acapulco. La Vida loca – nadaaaaa! Dafür hast du ja einen Ipod und meinen Musikvorschlag. Also: Stöpsel rein und play: „Get out of my way, ugly woman. Get out of my way, you’re not here to stay…” Oh mann, das hilft.


Joe Torres
Latino con Soul (EMI Music, 2003)
--> Get out of my way


Labels:

6 Kommentare:

Anonymous Anonym meinte...

mein liebster gabriel,
hast du etwa streit mit deiner braut?
kiss yours betty page

Februar 02, 2007 2:12 PM  
Blogger Gabriel meinte...

Hab ich nicht! Nicht im geringsten! Aber bin ja auch nicht mehr 12 und hab da doch auch schon mal sowas erlebt - weisst du doch...
Und sowieso: Braut?! Davon kann noch keine Rede sein.

Februar 02, 2007 9:43 PM  
Anonymous Anonym meinte...

noch?

Februar 07, 2007 1:05 PM  
Anonymous Anonym meinte...

hallo mein liebster!
ist eventuel die latzhose ein hinweis? war das nicht mit 15 oder so? also jetzt bin ich gwundrig!
bisous yours betty page

Februar 08, 2007 1:33 PM  
Blogger Gabriel meinte...

Haha! Ich erinnere mich! Nein, die hat mich nicht wegen eines anderen verlassen - da hab ich mal Schluss gemacht.
Zu anonym: Die Zukunft ist ein unbeschriebens Blatt und über ungeborene Kinder spricht man nicht.

Februar 08, 2007 2:52 PM  
Anonymous Anonym meinte...

Ah ha. So zum Thema Kritiker. Was wird denn da an Spreitenbach rum gemotzt :-)

Gruss T

März 01, 2007 11:42 PM  

Kommentar veröffentlichen

Abonnieren Kommentare zum Post [Atom]

<< Startseite